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Von alter Burgruine zum neuen Zuhause

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Die Burg Simonskall möchte der neue Besitzer so sanieren, dass sie für den Ort auch in den kommenden Jahrhunderten als Zentralpunkt dient.

Alexander Wilden aus Simmerath möchte das alte Gemäuer in Simonskall kernsanieren und dort Ende 2019 einziehen

„Die Burg ist in einem noch ruinöseren Zustand, als wir gedacht haben“, sagt Alexander Wilden. Der 50-jährige Simmerather ist seit Mai dieses Jahres Besitzer der 375 Jahre alten Burg Simonskall und hat für das verfallene Gebäude große Pläne. Bisher hinkt er seinem Zeitplan vier Monate hinterher, erklärtes Ziel ist aber, dass er und seine Frau – voraussichtlich ohne die 17 und 20 Jahre alten Kinder – vor Weihnachten 2019 einziehen.

Ein Spaziergang gab den Anstoß

Aber warum ausgerechnet eine Burg? Das Geschehen nahm seinen Lauf, als Wilden an einem sonnigen Oktobertag des vergangenen Jahres durch das Wehebachtal spazierte. Er sagte zu seiner Frau, dass es ihm dort so gut gefalle, dass er dort gerne eine Immobilie hätte. Online sei er dann mit dem Finger über Luftaufnahmen der Region „geflogen“ und das Carré-Gebäude sei ihm ins Auge gefallen. Wilden kam mit dem Vorbesitzer ins Gespräch, sagte „Wenn du die Burg mal verkaufen möchtest, sag Bescheid“ und war drei Monate später der neue Besitzer.

Wie viel tatsächlich noch an seinen neuen vier Wänden zu tun sein würde, wurde dem frischgebackenen Burgherren erst später klar. Das komplette Dach muss erneuert werden, Regenrinnen gab es bisher keine, die gesamte Ostwand wird ersetzt, einige tragende Balken sind vom Schwamm befallen, manche Decken verfault, Heizung und Sanitäranlagen werden erneuert. Die größte Herausforderung bei dem Projekt ist, dass Alexander Wilden dem denkmalgeschützten Gebäude treu bleiben muss und möchte, gleichzeitig daraus aber ein Zuhause schaffen will, dass ins 21. Jahrhundert passt.

Diesen Brückenschlag möchte er schaffen, in dem er Charakteristika der vorherigen Jahrhunderte nicht nur erhält – zum Beispiel die gerade frei gelegten Türzargen aus dem Jahr 1643 –, sondern auch solche, die verloren gingen, zurückholt. Die neuen Fenster sollen beispielsweise wieder Holzrahmen haben und dort, wo in der damaligen Gesindeküche früher ein großer Kamin stand, soll auch zukünftig wieder einer hin.

Bei aller Liebe zu historischen Details ist dem Ehepaar Wilden aber extrem wichtig, mehr Licht in das alte Gemäuer zu bekommen. Die aktuellen Fenster sind klein und die Lage im Tal schattig: „Das Dach der Burg berührt von Ende Oktober bis Ende März kein Sonnenstrahl“, stellt Alexander Wilden klar und erzählt begeistert von seinen Plänen, an der Ostseite eine Orangerie anzubauen. „Keinen primitiven Wintergarten. Orangerien haben viel feinere Metallstreben, was die Glasfläche maximiert.“ Auch dort, wo früher die Traktoren geparkt wurden, soll eine große Glasfassade entstehen, um den zukünftigen Wohnbereich heller zu machen.

Mit all diesen Vorhaben ist Alexander Wilden noch nicht so weit, wie er gern wäre. Das Kapitel „Denkmalschutz“ war, das sagt der Unternehmer offen, kein leichtes für ihn. Statt Ermahnungen und Verboten hätte er sich – wie er es aus anderen Ländern kennt – mehr Beratung und Unterstützung gewünscht. Zwischenzeitlich habe das ganze Projekt auf der Kippe gestanden, sagt Wilden. So enttäuscht er damals war, so froh ist er heute – einerseits darüber, mit den Behörden zu einer guten Zusammenarbeit gefunden zu haben, andererseits über den Beginn der Arbeiten.

Heute wird mit Rodungen auf dem Gelände begonnen, in der kommenden Woche starten die Arbeiten an der Ostwand. Er wolle die Burg „mit viel Spucke“ in den Zustand versetzen, der ihm vorschwebt, sagt Wilden. „Und ,Spucke’ dürfen Sie in diesem Zusammenhang selbst übersetzen“, ergänzt er zwinkernd. Zahlen möchte er nicht nennen, spricht aber davon, dass eine „große Investition“ nötig sei. Um seiner Familie einen neuen Begegnungspunkt zu geben und etwas so altes zu neuem Leben zu erwecken, sei es ihm das aber wert. Und mit Blick auf das Jahr 2020 weiß der gebürtige Lammersdorfer auch schon, worauf er sich am meisten freut: „Auf die Ruhe in dieser naturnahen Umgebung.“

Quelle: Eifeler Zeitung
Bericht und Foto: Anne Welkener