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„Möchte mir die Freude nicht nehmen lassen“

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Pfarrer Michael Stoffels vor den 15 Kirchen, in denen er auch künftig heilige Messen feiern möchte. Einschnitte seien notwendig und sinnvoll, jedoch nicht in dem Maße, wie der Weihbischof sie bei seinem Besuch im Mai vorgegeben hatte. Fotos: Peter Stollenwerk, Heiner Schepp / Montage: Th. Heinen

GdG Simmerath: Drastische Reduzierung des Messangebots abgelehnt. Pfarrer Michael Stoffels denkt nicht an Ruhestand.

„Der Dienst als Priester macht mir weiterhin große Freude. Und diese Freude möchte ich mir auch nicht nehmen lassen.“ Pfarrer Michael Stoffels ist für seine klaren Worte bekannt. Und mit dieser ihm eigenen Klarheit hat der Seelsorger für elf Kirchen und vier Kapellengemeinden in der GdG Simmerath nun auch deutlich gemacht, wie er die vom Bischof angewiesenen Einschnitte umzusetzen gedenkt.

„Mit einer wenig adventlichen Mitteilung wende ich mich an Sie“, schrieb Pfarrer Stoffels im November-Pfarrbrief der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Simmerath und erinnerte an die bischöfliche Visitation durch Weihbischof Karl Borsch im Mai dieses Jahres. „Dabei habe ich den Auftrag erhalten, die Gottesdienstordnung in unserer GdG neu zu regeln und vor allem das Messangebot deutlich zu reduzieren“, schreibt Stoffels. An Sonntagen, so die Vorgabe des Bistums, sollen danach – inclusive Vorabendmessen – nur noch vier heilige Messen in der gesamten GdG gefeiert werden, an den fünf Werktagen jeweils nur noch eine Messe in eine der elf Gemeinden. Diese Regelung sei auf Initiative des Weihbischofs schließlich auch vom Simmerather GdG-Rat beschlossen worden, so Michael Stoffels.

Vor große Probleme gestellt

Ich möchte nicht so tun, als ob ich nicht mehr da oder schon gestorben wäre.

Pfarrer Michael Stoffels

Die Umsetzung dieser Aufgabe jedoch habe ihn dann in den letzten Monaten vor große Probleme gestellt. „Es ging zum einen um eine Entlastung in der Fülle meiner Aufgaben – hier handelte der Weihbischof in seiner Fürsorgepflicht –, zum anderen sollen die Gemeinden darauf vorbereitet werden, dass sich die Anzahl der Priester in den kommenden Jahren weiter drastisch verringern wird und viele Dienste, wie Wortgottes-Feiern oder Beerdigungsdienste, in die Hände von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gelegt werden sollen“, erläuterte der Pfarrer. Dieser Entwicklung könne man sich auch in der GdG nicht widersetzen, räumt Stoffels ein, stellt aber auch fest: „Dennoch spürte ich schnell, dass eine solch radikale Reduzierung der Anzahl der heiligen Messen mit meiner Verantwortung für die Gemeinden und meiner Dienstauffassung nur sehr schwer in Einklang zu bringen sind. Dann hätten wir sonntags nur noch alle drei Wochen in den Pfarrkirchen und werktags nur noch in fünf Gotteshäusern eine Messfeier“, zählt der Leiter der GdG auf. Weniger zu tun bedeute jedoch nicht automatisch eine Entlastung, stellt Pfarrer Stoffels in seiner Botschaft fest. „Außerdem fühle ich mich in der Lage, meinen priesterlichen Dienst auszuüben. Der Dienst als Priester macht mir weiterhin große Freude und diese Freude möchte ich mir auch nicht nehmen lassen. Ich möchte nicht so tun, als ob ich nicht mehr da oder schon gestorben wäre. Und ich denke auch noch nicht an Ruhestand“, stellt Michael Stoffels fest und folgert: „Daher kann ich zum jetzigen Zeitpunkt eine solch radikale Reduzierung des Messangebotes nicht vornehmen.“

Gleichwohl müsse und werde es mit Beginn des neuen Jahres – das Messangebot zu Weihnachten ist also dieses Jahr noch nicht betroffen – einige Veränderungen in der Messordnung geben, wie Pfarrer Stoffels im Pfarrbrief ankündigt. Danach findet die derzeit wöchentliche Messe am Sonntagabend in Kesternich ab Januar nur noch im 14-tägigen Rhythmus statt und wird es in Rollesbroich und Dedenborn künftig keine Werktagsmessen mehr geben. In Hammer sowie in den Kapellengemeinden Erkensruhr, Woffelsbach, Paustenbach und Huppenbroich finden künftig jeweils nur noch einmal im Monat heilige Messen statt. „Wir haben sehr viel miteinander geredet und uns diese Einschnitte wirklich nicht leicht gemacht“, sagt der 55-Jährige. Die Entscheidung für oder gegen ein Gottesdienstangebot sei schließlich mit Blick auf die Zahl der Messbesucher gefallen. „Unsere Werktagsmessen sind nach wie vor gut besucht, meist von 30 oder 40, manchmal aber auch von 100 Gläubigen“, wie Pfarrer Stoffels beobachtet hat.

Bei den Beerdigungsdiensten, kündigt er weiter an, werde sich nichts ändern. „Auf Wunsch werde ich eine heilige Messe für die Verstorbenen zelebrieren und die Beerdigung vornehmen. Wenn keine Messe gewünscht ist, wird in der Regel unserer Gemeindereferent Sven Riehn den Beerdigungsdienst übernehmen“, erläutert der Pfarrer. Im letzten Jahr gab es in der GdG Simmerath über 120 Beisetzungen, „der überwiegende Teil in Verbindung mit einer heiligen Messe“, wie der 55-Jährige festhält. Auch im Bereich der Eheschließungen in Verbindung mit einer heiligen Messe werde sich nichts ändern, heißt es. Etwa 25 bis 30 Brautämter werden jährlich in den 15 Kirchengebäuden in der GdG gefeiert. Taufen sollen weiterhin nach Möglichkeit in der Wohnsitzpfarrkirche gefeiert werden können, „die Termine sollten die Eltern bitte auch künftig mit mir persönlich vereinbaren“, bittet Pfarrer Stoffels und spricht von rund 100 Kindern, die jährlich in der GdG katholisch getauft werden.

Während sich also im familiären Bereich der Gottesdienstangebote praktisch keine Änderungen ergeben, müsse überlegt werden, wie Wortgottesdienste das gottesdienstliche Angebote in der GdG bereichern könnten. Dabei sei es aber notwendig, dass für Wortgottesfeiern an Sonn- und Werktagen, Andachten im Mai und Oktober sowie in der Fastenzeit und im Advent in allen Gemeinden weitere ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewonnen werden könnten, die diesen Dienst übernehmen. „Dazu wird es eine gemeinsame Schulung für die Interessierten geben“, kündigt Pfarrer Stoffels an und stellt fest: „Bei all diesen Überlegungen geht es darum, wie wir heute aus der Freude des Glaubens leben können, wie der gemeinsame Glaube unsere Gemeinschaft prägt und Gott auch heute einen festen Platz im Leben der Menschen hat.“

Elf Kirchen, vier Kapellengemeinden

Kirchengemeinden in der GdG Simmerath sind in Simmerath, Lammersdorf, Strauch, Steckenborn, Eicherscheid, Einruhr, Rurberg, Kesternich, Rollesbroich, Dedenborn und Hammer.

Kapellengemeinden sind in Erkensruhr, Woffelsbach, Paustenbach und Huppenbroich.

Die heiligen Messen in allen 15 Gemeinden feiert Pfarrer Michael Stoffels selbst, also auch ohne Unterstützung durch Altpfarrer. Lediglich im Krankenhaus Simmerath feiert Pfarrer Kerbusch die Gottesdienste.

Quelle: Eifeler Zeitung
Bericht: Heiner Schepp