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Erfolgreicher Wegbereiter des Kampfsports

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Robby Prümm in Aktion: So sieht eine Abwehrhaltung beim Ju-Jutsu aus.

Robert „Robby“ Prümm machte den Ju-Jutsu-Sport in der Nordeifel populär. 33 Jahre Abteilungsleiter beim Rurberger SV.

Mit einigen gezielten Handgriffen setzte er die Kampfhähne außer Gefecht, und der Schuldige saß, ehe er sich versah, im Streifenwagen. Diese Aktion hinterließ bei den Umstehenden mächtig Eindruck. Robert Prümm hatte bei der Streitschlichtung seine Künste als Kampfsportler ausgespielt, und wenige Tage später standen einige Jugendliche aus dem Ort, die Zeugen des Einsatzes geworden waren, vor seiner Tür und fragten, ob der Polizeibeamte nicht Lust hätte, einmal einen Lehrgang für Selbstverteidigungstechnik anzubieten. Das war der Beginn des Ju-Jutsu-Sports am Rursee.

Abteilungsgründung 1987

Zwei Jahre später, am 7. Januar 1987, wurde dann im Café Bongard in Rurberg eine Ju-Jutsu-Abteilung gegründet, die sich dem Rurberger SV anschloss. 32 vorwiegend jugendliche Teilnehmer kamen zur Gründungsversammlung. Robert Prümm, zu dieser Zeit bereits ein erfahrener Übungsleiter, wurde zum Abteilungsleiter gewählt. Die ersten Trainingsstunden der neuen RSV-Abteilung fanden übrigens im Haus des Gastes statt.

Die Kunst beim Ju-Jutsu besteht auch darin, sich nicht zu verletzten.

Robert „Robby“ Prümm
Ju-Jutsu-Trainer

33 Jahre später schließt sich der Kreis für Robert Prümm, den eigentlich alle nur „Robby“ nennen. Bei der Jahreshauptversammlung am kommenden Montag, 9. März, im Restaurant „Zur alten Post“ in Prümms Wohnort Huppenbroich beendet der Funktionär und Trainer seine ehrenamtliche Tätigkeit als Abteilungsleiter, um sein Amt in jüngere Hände zu legen.

Ein dicker Ordner gibt Zeugnis davon, wie rasant und erfolgreich sich die Abteilung entwickelte und längst ihren festen Platz in Rurberg und der Nordeifel gefunden hat. „Ich bin stolz darauf, dass ich zu dieser positiven Entwicklung einen Beitrag leisten konnte“, sagt Robby Prümm, der bei Bedarf auch weiterhin der Abteilung mit Rat und Tat zur Seite stehen möchte und auch nicht die Absicht hat, seinen JJ-Gürtel an den Nagel zu hängen.

Seit über 60 Jahren gehört der Kampfsport auf der Matte als wesentliches Element zum Leben des 72-Jährigen, der als Kind bereits von seinem Vater für die klassische Kampfkunst und den Wettkampfsport begeistert wurde. Schon im Jahr 1958 legte er die erste Gürtelprüfung ab. Sein Vater war einer der ersten lizenzierten Judo-Trainer in Deutschland. Während seiner Polizeiausbildung gehörte das Kampfsportsystem Ju-Jutsu zu seinen Schwerpunkten.

Als der Aachener damals seinen Dienst in der Eifel antrat und später nach Huppenbroich zog, freundete er sich schnell mit der Eifeler Mentalität an. Seine Arbeit als Polizeibeamter verlangte zwar, dass er Grenzen setzen musste, aber im Umgang mit den Menschen setzte er in Konfliktsituationen immer auf einen lösungsorientierten Dialog. Die Ju-Jutsu-Abteilung im RSV trug bald seine Handschrift, und seine Auffassung vom Erlernen der Kampfkunst für jedermann förderte auch das Entstehen entsprechender Abteilungen in Lammersdorf und Konzen.

Begeisterung übertragen

Robby Prümm gilt als Wegbereiter des Budo-Sports in der Eifel, und er konnte seine Begeisterung auf viele andere Sportler übertragen. „Wir verstehen uns in der Eifel als Einheit“, betont Robby Prümm, wobei in Rurberg mit derzeit rund 130 Aktiven aller Altersklassen der größte Zuspruch herrscht. Ju-Jutsu bedeutet für Robby Prümm viel mehr, als einen Gegner auf die Matte zu drücken und mit sanfter Kampfkunst schachmatt zu setzen. Immer wieder gerne erzählt er eine Anekdote, die für ihn deutlich macht, dass Selbstverteidigung auch im Alltagsleben überaus hilfreich sein kann:

Zwei junge Damen, die sich Mitte der 1990er Jahre der Ju-Jutsu-Abteilung angeschlossen hatten, kehrten eines Abends zu ihrem in der Simmerather Kammerbruchstraße abgestellten Wagen zurück, als gerade zwei junge Burschen dabei waren, das Fahrzeug aufzubrechen. Furchtlos packten sich beide Frauen einen der Täter und hielten den 19-Jährigen mit gekonnter Grifftechnik bis zum Eintreffen der Polizei fest. Der andere Täter konnte zwar zunächst entkommen, wurde aber wenig später ermittelt.

Sportlich ging es mit der Rurberger Ju-Jutsu-Abteilung derweil steil bergauf. Vordere Platzierungen bei Deutschen Meisterschaften bildeten den Höhepunkt der Erfolge, und einmal stand sogar eine RSV-Kämpferin im Finale einer Weltmeisterin gegenüber. Die aus Fernost importierte Kampfsportart am Rursee wurde zu einem echten Aushängeschild, und als Robby Prümm nach 44 Jahren als Polizeihauptkommissar im Jahr 2008 seinen Dienst quittierte, legte er auf der Matte noch einmal nach. Im Jahr 2013 wurde ihm für seine außergewöhnlichen Verdienste der achte Dan für sein Lebenswerk verliehen.

Ständig hatte er sein Angebots-Repertoire erweitert. Für ihn bestand der sportliche Wert beim Ju-Jutsu vor allem darin, „dass hier durch den Sport eine Verbindung zwischen den Generationen geschaffen wird“. Auch ein Selbstverteidigungskurs für Frauen in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule war stark nachgefragt. Von Verletzungen blieb der erfahrene Kampfsportler und Trainer zum Glück verschont. „Die Kunst bei unserem Sport besteht ja auch darin, sich nicht zu verletzten“, erläutert Robby Prümm.

Doch nicht nur in der Eifel legte sich Robby Prümm leidenschaftlich für seinen Sport ins Zeug. Sowohl im Bundes- wie auch im Landesverband leistete er viele Jahre Vorstandsarbeit in unterschiedlichen Funktionen. Auch wenn er nun seine Aufgabe als Abteilungsleiter nach über drei Jahrzehnten abgibt, wird man Robby Prümm jetzt nicht allabendlich auf dem heimischen Sofa antreffen, sondern weiterhin mehrmals wöchentlich auf der Matte inmitten seiner Sportfreunde – das macht er schließlich seit 62 Jahren so.

Quelle. Eifeler Zeitung
Bericht; Peter Stollenwerk, Foto: Ronny Erkens