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Preisgekrönte Weltneuheit aus der Eifel

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Das Stammwerk der Firma Schwartz im Gewerbegebiet Rollesbroich produziert Wärmebehandlungsanlagen für das Presshärten von Karosserie-Strukturteilen sowie für die Stahl-, Aluminium-und die NE-Metallindustrie, darunter auch den nun preisgekrönten Printer.

Die mit dem Innovationspreis der Region Aachen ausgezeichnete Firma Schwartz ist bereits der viertgrößte Arbeitgeber in Simmerath

Rollesbroich. Viel Zeit, mit seinen Mitarbeitern den Erfolg gebührend zu feiern, hatte Alexander Wilden nicht. Der Geschäftsführer der im Rollesbroicher Gewerbegebiet ansässigen Firma Schwartz GmbH, die jetzt mit dem AC²-Innovationspreis ausgezeichnet wurde, saß drei Tage später schon wieder im Flieger, um mit einem wichtigen Geschäftskunden in Japan über die Lieferung einer Wärmebehandlungsanlage zu verhandeln.

Große Aufträge haben eben Vorrang, aber groß gefeiert wird trotzdem noch, denn die jetzt erfolgte Auszeichnung gegen starke Mitbewerber ist für Alexander Wilden (46), seit 2011 alleiniger Geschäftsführer der Schwartz GmbH, mehr als nur eine Auszeichnung, die er im Vorübergehen mitnimmt. „In diesem starken Umfeld ist das ein großer Erfolg, der mich überrascht und erfreut hat,“ sagt der stets zupackende Unternehmenschef. 128 Gründungsprojekte und 39 bestehende Unternehmen hatten sich in den einzelnen Kategorien beworben.

„Ich bin im positiven Sinne aus allen Wolken gefallen“, beschreibt Alexander Wilden seine Gefühlslage, als er im Krönungssaal des Aachener Rathauses als erster Preisträger aufgerufen wurde.
Das Stammwerk der Firma Schwartz im Gewerbegebiet Rollesbroich produziert Wärmebehandlungsanlagen für das Presshärten von Karosserie-Strukturteilen sowie für die Stahl-, Aluminium- und die NE-Metallindustrie.

Wir bauen zwar keine Autos, aber wir sorgen dafür, dass sie sicherer und stabiler werden.

Alexander Wilden
Geschäftsführer Schwartz GmbH

Im Herbst 2014 stellte das Unternehmen dann eine Weltneuheit im Presshärten vor. Mit einer neu entwickelten Anlage können in einem Bauteil unterschiedliche Temperaturfelder erzeugt werden, wodurch beim Pressen harte und gut verformbare Bereiche entstehen. Diese Entwicklung erschien der Jury unter Vorsitz von Euskirchens Landrat Günter Rosenke höchst preiswürdig. Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns hatte das Unternehmen nominiert, das am Standort Simmerath 118 Mitarbeiter beschäftigt. Weltweit sind es 145.

In nur fünf Jahren hat sich die Zahl der Mitarbeiter fast verdreifacht, und in den zurückliegenden drei Jahren hat sich der Umsatz ebenfalls verdreifacht. Damit ist die Firma Schwartz inzwischen der viertgrößte Arbeitgeber in der Gemeinde Simmerath. Nach wie vor befindet sich das Unternehmen auf Expansionskurs. Noch in diesem Jahr soll eine weitere neue Halle auf dem Firmengelände bezogen werden, und weitere Flächen für die Verwaltung wurden in Gewerberäumen in direkter Nachbarschaft angemietet.

So betrachtet Alexander Wilden den Innovationspreis in erster Linie auch als Würdigung für ein starkes und funktionierendes Team von Mitarbeitern.

Diese Aspekte möchte man auch bei einer Fachmesse in Düsseldorf herausstellen, die in dieser Woche stattfindet.

Schwartz ist inzwischen Weltmarktführer auf seinem Gebiet, und damit praktisch bei allen modernen Automobilen mit im Geschäft. Wenn es um sicherheitsrelevante Strukturteile in Fahrzeugen geht, dann kommt die Industrie am Eifeler Unternehmen nicht mehr vorbei. Alexander Wilden: „Wir bauen zwar keine Autos, aber wir sorgen dafür, dass sie sicherer und stabiler werden.“ Außerdem führten gewichtsreduzierte Bauteile zu einer Verringerung des CO2-Ausstoßes und leisteten damit auch einen Beitrag zum Klimaschutz.

Bis September 2016 ist die Schwartz GmbH mit Aufträgen ausgelastet. Für das laufende Jahr landet man bei einem Umsatz von 55 Millionen Euro.

Vor diesem Hintergrund sucht das Unternehmen auch ständig neue Fachkräfte. Ganz oben auf der Wunschliste stehen derzeit Ingenieure und sogenannte Inbetriebnehmer. Als einen wichtigen Beitrag zur Innovationskraft des Unternehmens sieht man auch die intensive Zusammenarbeit mit der Aachener Hochschule.

Der Innovationspreis bedeutet für den Geschäftsführer „auch eine Stärkung unseres Unternehmens als Arbeitgeber für die Region“, in der man sich historisch verwurzelt fühlt. Auch das klare Bekenntnis zum Standort Nordeifel ist Teil der Firmenphilosophie, selbst wenn das Gewerbegebiet Rollesbroich nicht in allen Punkten optimale Standortbedingungen bietet. Sowohl was die digitale als auch die Anbindung ans Straßennetz betrifft, sieht Alexander Wilden Defizite, verursacht durch „politische Zwänge“, derer zum Trotz man sich dennoch am Weltmarkt habe platzieren können.

Bei soviel positiver Energie, die das Unternehmen in der jüngsten Vergangenheit belebte, und aus Anlass der jüngsten Auszeichnung mit dem Innovationspreis der Region Aachen hat die Unternehmensfamilie allen Grund zu feiern. Am Freitag, 26. Juni, findet auf dem Firmengelände in Rollesbroich ab 16 Uhr ein großes Sommerfest für alle Mitarbeiter und deren Familien statt, und der Innovationspreis in Form einer Metallskulptur soll demnächst in vergrößerter Form auf dem Firmengelände seinen würdigen und gut sichtbaren Platz finden. (P. St.)

Unternehmen wurde vor 30 Jahren gegründet

Im Jahr 2014 feierte die Schwartz GmbH ihr 30-jähriges Bestehen. 1984 schweißte Rolf Schwartz in einer Garage im westfälischen Gevelsberg seinen ersten Wärmebehandlungsofen zusammen. Dass dieser Auftrag der erste Schritt auf dem Weg zum Weltmarktführer sein würde, hätte der ehrgeizige Firmengründer damals wohl kaum gedacht. 1998 verlagerte er das aufstrebende Unternehmen ins Gewerbegebiet Rollesbroich. Im Jahr 2011 wurde ergänzend zum Stammsitz in Rollesbroich, wo alle Anlagen konstruiert, gefertigt und in Betrieb gesetzt werden, eine Niederlassung mit Fertigung in Shanghai, China, gegründet. Von dort wird der asiatische Markt bedient. Die Produktionsfläche des Unternehmens beläuft sich auf insgesamt 6500 Quadratmeter Fläche, davon 3000 Quadratmeter in Rollesbroich.

Wärmebehandlungsanlagen, wie sie bei der Schwartz GmbH in Rollesbroich hergestellt werden, dienen dazu, Metallbauteile, insbesondere für den Karosseriebau in der Automobilindustrie, in einem bestimmten Zeitraum gezielt hohen Temperaturen (bis zu 1000 Grad) und Abkühlungsprozessen zu unterziehen. Dadurch gewinnen die Metallbauteile eine höhere Stabilität und Belastbarkeit. Gleichzeitig wird auch ihr Gewicht verringert. Mehr als 800 Schwartz-Anlagen sind weltweit Tag für Tag im Einsatz.

Quelle: Eifeler Zeitung
Bericht: Peter Stollenwerk, Foto: Heiner Schepp